

Arandt fluchte leise vor sich hin. Wo war dieser Trottel nur. Schon seit Stunden wartete der Waldläufer auf seinen Kameraden. Vermutlich saß dieser Bastard wieder in einer Taverne und ließ sich volllaufen. Der Magen des Halbelfen knurrte vor Hunger und langsam fragte er sich, warum er nicht gleich eine Taverne als Treffpunkt gewählt hatte. Wieder hörte er einen Zweig in der Dunkelheit knacken. Und wieder lauschte er, ob es vielleicht Chero war. Doch auch diesmal war es nicht der Barbar.
Arandt zuckte mit den Schultern und machte sich auf den Weg, sich etwas eßbares zu suchen. Vielleicht traf er dabei ja auch auf seinen Kameraden. Innerhalb einer Stunde hatte der Waldläufer die gesamte Gegend abgesucht, doch außer einer Alraune hatte er nichts gefunden. Da sah er plötzlich einen Lichtschimmer. Seine Erfahrung sagte ihm, daß dies ein Lagerfeuer sein mußte und wohl kaum weiter als vier Meilen entfernt sein konnte. Ein kalter Windzug machte dem Mann klar, daß es wohl das Beste war, dort hin zu gehen und um ein Nachtlager zu bitten.
Der Weg war beschwerlicher als der Waldläufer angenommen hatte und es dauerte fast zwei Stunden bis er den Rand der Lichtung erreicht hatte. Vorsichtig spähte er über einen Busch und versuchte zu erkennen, wer dort am Feuer saß. Die drei dunklen Schatten waren schlank und hochgewachsen. Sie saßen bequem an ihr Gepäck zurückgelehnt und unterhielten sich in der Sprache der Elfen. Über dem Feuer hing ein Kessel, aus dem es betörend duftete. Dem Waldläufer lief das Wasser im Munde zusammen. Warum sollte er ihnen nicht trauen ? Immerhin war er selbst zur Hälfte ein Elf.
Arandt richtete sich auf und trat auf die Lichtung heraus.
"Seid gegrüßt, Freunde." Der Waldläufer hob zum Gruß beide
Hände.
Die drei Elfen schreckten auf und ihre Hände schnellten an ihre Waffen. Doch als sie die Geste des Halbelfen sahen, entspannten sie sich wieder. Mit einer freundlichen Handbewegung lud einer von ihnen den Neuankömmling ein, sich an ihr Feuer zu setzen.
Schnell waren sie in ein Gespräch vertieft und Arandt löffelte einen großen Teller des Eintopfes leer. Das Essen schmeckte hervorragend. Aus dem Gespräch erfuhr der Waldläufer, daß es sich bei den Elfen um Jäger eines Wilden Stammes, von denen es in dieser Gegend viele gab, waren. Auf der Suche nach Beute legten sie weite Strecken zurück und waren selten länger als ein paar Tage bei ihrer Familie. Trotzdem beneidete der Halbelf seine wilden Verwandten. Sie hatten wenigstens eine Familie und ein festes Heim, zu dem sie immer wieder zurückkehren konnten. Er zog statt dessen rastlos von Ort zu Ort und versuchte sich immer wieder etwas Gold dazuzuverdienen. Die Wildelfen brauchten kein Gold. Alles was sie brauchten war Beute, ihre Familie und Freunde. Der einzige treue Freund des Waldläufers war der Barbar Chero. Und der vergaß ihn regelmäßig wenn er Bier roch. Arandt fühlte sich wohl bei ihnen und sie redeten bis zum Morgengrauen. Doch der folgende Tag versprach anstrengend zu werden. Also legten sie sich doch noch nieder um einige Stunden zu schlafen.
Arandt erwachte sehr spät. Die Elfen hatten das Feuer bereits wieder zum lodern gebracht und einer von ihnen rührte mit einem langen Löffel im Eintopf.
"Du hast einen gesunden Schlaf", sagte der Elf mit seinem starken
Akzent.
"Wir haben bereits gegessen und werden bald aufbrechen. Heute Abend kehren
wir in dieses Lager zurück. Wenn du möchtest, kannst du
dir etwas von unserem Essen als Proviant mitnehmen. Wir
haben reichlich Beute gemacht."
Dann stand er auf und begann sein Pferd zu striegeln. Die Elfen benutzten weder Sattel noch Zaumzeug. Vielleicht hatten sie deshalb so eine Enge Beziehung zu ihren Tieren.
Arandt stand auf und streckte seine Glieder. Obwohl er wenig geschlafen hatte, fühlte er sich frisch wie nach einem mehrtägigen Aufenthalt in einer Taverne. Der Halbelf lauschte. Irgendwo rauschte Wasser. Er warf sich seinen Umhang über die Schultern und machte sich auf, das Wasser zu finden. Es dauerte nicht lange, da hatte er die kleine Quelle entdeckt. Er legte seine Kleider ab und erfrischte sich in dem eiskalten Naß.
Als er wieder in das Lager der Wildelfen zurückgekehrte, waren die drei Jäger bereits davongeritten. In aller Ruhe packte der Waldläufer seine Sachen und aß erst einmal gemütlich Frühstück. Jetzt konnte der Barbar ruhig auch einmal warten. Falls er überhaupt schon an ihrem Treffpunkt angekommen war. Dann öffnete der Halbelf ein Stoffbündel und holte einen kleinen Krug daraus hervor. Vorsichtig füllte er den Krug mit dem Eintopf, verschloß ihn dann sorgfältig und verpackte ihn in seinem Bündel. Arandt stand auf und atmete die frische Morgenluft tief ein. Auch für ihn war es nun Zeit aufzubrechen.
Fluchend saß der Halbelf auf einem Baumstumpf. Jetzt wartete er schon über fünf Stunden hier und der Barbar war noch immer nicht aufgetaucht. Arandt wußte, daß er ihn nicht verpaßt haben konnte, denn Chero konnte keinen Meter gehen, ohne deutliche Spuren zu hinterlassen. Hatte er etwa den Treffpunkt vergessen ? Oder lag er immer noch in einer Taverne unter einem Tisch ? Möglich wäre beides. Der Waldläufer stieß noch eine Reihe von Flüchen aus und bemerkte dann, daß sein Magen knurrte. Schließlich hatte er seit dem Vormittag nichts mehr gegessen. Also wickelte er den Krug aus und entfachte ein kleines Feuer. Kurze Zeit später zog der betörende Duft durch die Luft und machte dem Halbelfen den Mund wäßrig. Er zog einen großen Holzlöffel aus seinem Gepäck, wischte ihn an seinem Ärmel ab und steckte ihn tief in den Eintopf. Genüßlich aß er einen Bissen nach dem anderen, bis er plötzlich auf etwas hartes biß.
In der Annahme es sein lediglich ein Stück Knochen, spuckte Arandt aus. Der Gegenstand landete im Staub, drehte sich ein paar mal und blieb dann mit einem metallischem 'PLING' an einem Stein liegen. Verwundert hob Arandt den kleinen Metallring auf und befreite ihn vom Staub.
Der Halbelf begann zu würgen, als er sah, was er in den Fingern hielt. Dann starrte er entsetzt auf den Eintopf.
"Nein...!", stöhnte er und übergab sich mitten auf den Weg, wobei ihm Cheros Ring aus der Hand glitt und im hohen Gras verschwand.
Frameset fehlt? Home